Namenspatronin

Die Namenspatronin

madeleinedebrellMadeleine Delbrêl (Sozialarbeiterin)
„Mystikerin der Straße“ 
– Gedenktag : 13. Oktober

Madeleine war Tochter eines Eisenbahnbeamten, der kirchenkritisch und liberal dachte und sich durch künstlerische und schriftstellerische Begabung auszeichnete. Ihre Mutter war Tochter eines gutbürgerlichen Fabrikbesitzers. Bis zu ihrem 9. Lebensjahr wechselte Madeleine, bedingt durch den Beruf ihres Vaters, neun Mal den Wohnsitz; deshalb ohne Freundschaften und regelmäßigen Schulbesuch, erhielt sie Privatunterricht und entwickelte ihre persönlichen Begabungen im schriftstellerischen, musikalischen und künstlerischen Bereich. Schon in jungen Jahren studierte sie an der Sorbonne in Paris Kunst und Philosophie. Durch ihren Verlobten kam sie mit dem Glauben in Kontakt; die an ihrem 19. Geburtstag gefeierte Verlobung wurde aufgelöst, als ihr Freund in den Dominikanerorden eintrat; eine schwere Krise und Erkrankung waren bei Madeleine die Folge. 

Nun suchte sie nach der tieferen Quelle der Liebe, die sie in der Beziehung erlebt hatte. Im Gebet erfuhr sie ihre Bekehrung und erwog, den Karmeliterinnen beizutreten; aber sie wurde zu Hause bei ihrem inzwischen erblindeten Vater gebraucht und widmete sich neben dessen Pflege ihrer religiösen Bildung und künstlerischen Tätigkeiten. 

In einer Gemeinde gelang es dem Pfarrer, Madeleine zum Engagemant in der Pfarrei zu motivieren, sie wurde Gruppenführerin der Pfadfinder. Im Oktober 1931 begann sie eine Ausbildung als Sozialarbeiterin. In Ivry-sur-Seine, wo die Industrialisierung stürmisch voranging und die die erste kommunistisch regierte französische Stadt wurde, ließ sich Madeleine schließlich mit zwei Kameradinnen zu einem gemeinschaftlichen Leben nach den Evangelischen Räten nieder; sie betrieben miteinander die Sozialstation, kamen immer mehr in Kontakt mit Arbeitern und Kommunisten und lebten mitten im „Labyrinth des Nicht-glauben-Könnens“, was ihr schließlich den Beinamen „Mystikerin der Straße“ einbrachte. In der Aktion „ausgestreckte Hand“ schlossen sich 1936 Kommunisten und Christen gegen die Faschisten zusammen. Madeleine distanzierte sich nach eingehenden Studien vom atheistisch geprägten Marxismus, arbeitet aber in der Fürsorge auch mit Kommunisten eng zusammen. „Es hat sich ergeben, dass die Kommunisten meine Nächsten sind … sie sind meine Nächsten geworden, ich hatte keine Wahl.“ Unter der Nazi-Herrschaft während des Krieges wurde Madeleine die Leitung der Sozialdienste der ganzen Region anvertraut. 

1943 wurde ein neues Priesterseminar gegründet, das Priester befähigen sollte, in entchristianisierten Gebieten zu wirken und dort auch zu leben als „Arbeiterpriester“: die „Mission de France“, welche vor allem nach Kriegsende großen Zulauf hatte, sich rasch ausbreitete und auch zahlreich Ordensleute und Laien anzog. Die Gruppe von Madeleine stand dieser Bewegung nahe, ohne sich ihr formell anzuschließen. 1946 kündigte Madeleine ihre Stellung in der Sozialstation wegen Auseinandersetzungen um ihr politisches Engagement und führte für die Gemeinschaft den Haushalt. Als die „Arbeiterpriester“ den Rückhalt der schon immer skeptischen römisch-katholischen Kirche verlor und verboten wurde, reiste Madeleine 1952 nach Rom, um für die „Mission de France“ zu beten. 1953 wurde das Experiment der Arbeiterpriester von der Kirche endgültig untersagt. Madeleine unternahm ihre zweite Reise nach Rom und wurde auch von Papst Pius XII. empfangen. Dabei lernte sie den Kardinal-Staatssekretär kennen, der dann 1958 bei der offiziellen Anerkennung der spezifischen Berufung Madeleines und ihrer Gemeinschaft eine große Rolle spielte. 

1954 wurde die „Mission de France“ wieder eingeschränkt erlaubt, 1959 erneut verboten. 1957 erschien Madeleines viel beachtetes Buch „Christ in einer marxistischen Stadt“. Sie litt nun aber zunehmend unter Krankheiten. 1961 wurde sie eingeladen, an den Vorbereitungen für das von Papst Johannes XXIII. angekündigte 2. Vatikanische Konzil mitzuarbeiten. Der Mailänder Kardinal Martini verglich sie mit dem Propheten Jeremia: beide sind für ihn Propheten der apostolischen Einsamkeit „in einer Gesellschaft, die nicht hinhört“.