Sonntagsgedanken

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Wenn der Sommer kommt

August, Hitze, Sommerloch – welche Assoziationen kommen da in Ihnen hoch? Die Haut klebt vom Salzwasser am Strand, ein Radler versüßt zischend die Fahrradtour und im Freibad empfängt uns das gurgelnde kühle Nass. Es gibt vieles, was wir mit „Sommer“ verbinden. In mir steigt manchmal ein Lied aus Kindertagen hoch: „Wenn der Sommer kommt“. Vielleicht kennen Sie es oder Sie singen es selbst mit Ihren Kindern. Rolf Zuckowski ist schließlich ein Klassiker. In diesem Lied gibt es viele Sommer-Assoziationen, vom vollgetankten Auto auf dem Weg in den Urlaub über groovige Sommerhits bis zu den Hasen im Stoppelfeld, die auf den Rest der Welt pfeifen. Hier kommt zum Ausdruck, was wir auch als Erwachsene am Sommer als so befreiend empfinden: Dass alles etwas lockerer ist, dass wir mal fünfe grade sein lassen. Wir können Neues austesten oder langsamer tun – das Sommerloch bietet den Freiraum dazu. Und für kurze Zeit werden ein paar Regeln gelockert. Im Lied lüftet Opa sein Toupet, es passen 18 Mann in ein Gummiboot und vor allem: „Die Kleinsten werden die Größten sein, wenn der Sommer kommt.“ Eine Umkehrung der normalen Verhältnisse wird auch in den biblischen Seligpreisungen (Matthäus 5) beschrieben. Der gegenwärtigen Realität werden Zukunftsvisionen entgegengestellt, die Trost schenken und Mut machen sollen: „Selig die Trauernden, denn sie werden getröstet werden“, heißt es da, oder: „Selig, die Frieden stiften, denn sie werden Kinder Gottes genannt werden.“ Das soll nicht geschehen, wenn der Sommer kommt – sondern wenn Gott kommt. Unser Verstand blockt da oftmals gleich ab. Wann soll das denn sein? Am Ende der Welt? Das tritt vielleicht irgendwann ein, wenn wir die Umwelt komplett zerstört haben. Aber Frieden wird es dann sicher nicht geben. Trost gibt’s auch eher selten, und sowieso … Stimmt. Mit dem Sommer ist es ja genauso: Im Meer schwimmen Quallen, die Radtour endet mit einem Platten und das Urlaubsauto steht im Stau, Zoff inklusive. Aber … wollen wir deshalb den Sommer missen? Freuen wir uns nicht trotzdem jedes Jahr darauf, dass es endlich Sommer wird? Schließlich gibt es sie ja doch, die kleinen Glücksmomente. Ein winziger Ausblick darauf, wie Leben auch sein kann – und wie es tatsächlich immer wieder zu uns kommt. Dann tun wir gut daran, diese kleinen magischen Momente wahrzunehmen und in unserem Innern zu bewahren. Der Winter naht, und kalt und dunkel wird es früh genug. Dann können wir mit Rolf Zuckowski singen: „Sommerzeit, Sommerzeit, und wir träumen noch, wenn es wieder schneit …“

Von Dr. Christina Jetter-Staib, Leiterin Kath. Erwachsenenbildung Kreis Göppingen e. V.