Sonntagsgedanken

In der Warteschleife

„Momentan sind alle unsere Telefone besetzt. Bitte haben Sie etwas Geduld. Der nächste freie Mitarbeiter wird Ihnen zur Verfügung stehen…“
Kennen Sie das auch? Wie sich schon bei den ersten Worten Unruhe in Ihnen ausbreitet und spätestens bei dem Wort Geduld Ihre Finger immer hektischer auf die Tischplatte klopfen? Wie Ärger aufsteigt und nur darauf wartet, sich Luft zu machen? In der Warteschleife zu hängen, ist ein höchst unbefriedigender Zustand. Wer weiß, ob wirklich mal jemand drangeht an der anderen Seite der Leitung. Wobei das häufig ja davon abhängt, wie lange ich zu warten bereit bin. Und ganz nebenbei tut mir der Mitarbeiter, den es dann trifft, schon jetzt leid, denn auf ihn prasselt pausenlos ein Schwall an Emotionen ein, die er höflich auffangen muss. Ich glaube, wir reagieren so stark auf die Warteschleife, weil wir in dieser Situation keine richtige Kontrolle mehr haben. Was uns besänftigt, sind Zeichen der Hoffnung „…der nächste freie Mitarbeiter wird sich um Sie kümmern“ und natürlich Geduld. Dabei bleibe ich umso länger am Hörer, je wichtiger mein Anliegen für mich ist. Die Situation an sich begegnet uns aber auch in anderen, viel wichtigeren Zusammenhängen: Wer krank ist, wartet auf Genesung, der Trauernde darauf, dass der Schmerz etwas nachlässt. Viele geflüchteten Menschen in unserem Land warten teilweise seit über einem Jahr auf eine Entscheidung, ob sie hierbleiben können oder nicht und damit auf eine Perspektive. Auch hier haben die Betroffenen wenig Kontrolle über ihre Situation. Aber wir können solche Zeiten des Wartens nutzen und versuchen, ihnen einen Sinn zu geben. Manche Erkrankung zwingt uns zu einer Unterbrechung, Trauer kann uns wieder in Verbindung bringen mit dem, was unser Leben trägt. Und viele Flüchtlinge lernen z.B. mit Ehrenamtlichen intensiv Deutsch und unsere Kultur kennen, um sich so auf ein mögliches Leben bei uns vorzubereiten.  Aus all dem kann Hoffnung wachsen. Und Hoffnung macht das Warten erträglicher. Manche Dinge, mit denen wir uns im Advent gerne umgeben, sprechen genau diese Hoffnung an: das zunehmende Licht erst am Adventskranz und dann am Christbaum, die grünen Zweige mitten im Winter, der Stern als Leuchtzeichen am Nachthimmel und die Engel als gute Mächte, die uns umgeben. Das ist Advent. Warten und hoffen. Und aufatmen. Denn an Weihnachten ist die Warteschleife endgültig beendet. Am anderen Ende der Leitung schenkt uns das Kind in der Krippe ungeteilte Aufmerksamkeit, Hoffnung und Stärkung. Matthias Claudius hat dies so ausgedrückt:
“Immer ein Lichtlein mehr im Kranz, den wir gewunden, dass er leuchte uns so sehr durch die dunklen Stunden… und so leuchtet die Welt langsam der Weihnacht entgegen. Und der in Händen sie hält, weiß um den Segen!“

Die Fotografen in EsslingenSabine Stövhase
Caritas-Zentrum Göppingen