Ostern und Auferstehung – eine Lebenshaltung

Jesus wurde gekreuzigt. Die römischen Henker verstanden ihr Geschäft. Mit dem Kreuzestod Jesu endete eine große Hoffnung. Das Unfassbare ist passiert. Traurig und ängstlich zogen sich die eigenen Leute nach Galiläa zurück. Doch plötzlich die unglaubliche Nachricht: Jesus begegnet den Frauen, Maria Magdalena, Petrus, den elf Jüngern, über 500 Anhängerinnen und Anhänger und zuletzt Paulus. Die Botschaft ist eindeutig: Jesus ist zu neuem, unbegreiflichem Leben erweckt. Was Ostern passiert ist, ist kaum erklärbar. Staunen und Jubel breiten sich aus. Die Begeisterung ist riesig: „Der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden!“(Lk 24,34). In der Konsequenz ziehen die Jünger in alle Welt, scheuen keine Verfolgung: „Wir können es nicht lassen, zu reden von dem, was wir gesehen und gehört haben!“ (Apg 4,20).

Ostern hat deshalb auch für uns Folgen. Da ist die Wirklichkeit mit allen Zweifeln und Erfahrungen, denn Karfreitag ist in unserem Leben doch so oft. Momente, in denen wir auf die Sinnlosigkeit unseres Lebens zurückgeworfen sind. Erst, wenn ich damit aufhöre, dem eigenen Karfreitag auszuweichen, nicht flüchte in billigen Trost und mich auf ein Jenseits vertrösten lasse, sondern wenn ich diese Wirklichkeit mit ihrem Schmerz und der Ohnmacht annehme, dann kann etwas Neues entstehen. In einem Raum, der Platz lässt für Zweifel und Fragen, einen Raum, der zulässt, dass etwas wachsen kann: Mitgefühl, Solidarität, Liebe für mich und andere. Es wird zwar dann nicht alles wieder gut, aber es wird anders. Und darin kann die Kraft liegen. So glaube ich an die Auferstehung, dass sie eben nicht Wunden verschwinden lässt, sondern sie zum Leuchten bringt. Denn durch die Wunden hindurch geschieht Auferstehung und sie scheint jetzt auf, nicht nur später. Auferstehungsglaube verleugnet nicht den Tod, aber lässt ihn nicht alleine stehen. Zum Tod tritt die Verheißung neuen Lebens hinzu. In jedem Moment des Scheiterns, der Lebensferne und Einsamkeit tritt dieser Funke Hoffnung hinzu.

Konkret könnte das dann heißen: Ich lasse mich berühren von dem, was geschieht. Ich lasse meine Zweifel zu. Ich sage dem anderen nicht, dass es wieder gut wird, sondern sage ihm zu: Ich bin bei Dir und höre Dir zu. Ich trete in Beziehungen ein, in die Lebendigkeit von Gesprächen, dort wo Leben ist. Ich vergebe den anderen und mir selbst. Und vielleicht schaffe ich es immer wieder, in manch Unvollkommenen das Vollkommene zu sehen. Dann wird Auferstehung zu einer Lebenshaltung werden, die zu einem österlichen Menschen werden lässt. Und die zeigt, dass der Mensch zu einem Gott gehört, der den Menschen befreien will. Hoffnung auf ein neues Leben wird wahr.

Gesegnete Ostern!

Norbert Köngeter
Stadtdiakon
Katholische Kirche Göppingen