Sonntagsgedanken

Seid wachsam

Mit dem ersten Adventssonntag beginnt für die Christen ein neues Kirchenjahr. Die Texte der Lesungen handeln vom Vertrauen und der Treue zu Gott. Es ist die Zeit der Vorbereitung auf das Geburtsfest Jesu Christi – die Zeit der Erwartung bzw. Ankunft. Der Adventskranz mit seinen Kerzen ist ein verhältnismäßig junges Symbol. Er wurde 1839 von Johann Heinrich Wichern erstmals entzündet und der Brauch des Adventskalenders existiert erst seit Beginn des 20. Jahrhunderts. Dies Adventszeit fällt in die dunkle Jahreszeit, die ungeheure Ängste schürt, auch Ängste vor der Zukunft.  Die herrschende Pandemie zeigt uns mit aller Wucht wie fragil unser Leben eigentlich ist. In dieser eigenartigen Situation mahnt uns die Botschaft des Advents. Seid wachsam steht über der Botschaft des ersten Adventssonntags.  Das hat recht wenig zu tun mit gemütlicher, kerzenschimmernder, tannenduftende, Glühwein betäubter Adventsstimmung. Abstandsregeln gelten für die Gottesdienste wie für das Gedränge in den Einkaufspassagen. Advent ist die Zeit des Wartens, der Hoffnung und der Zeit der Vorbereitung auf das Geburtsfest Jesu Christi. Feste wollen im christlichen wie im säkularen Raum vorbereitet sein.  Sie stehen auch in heilsamer Spannung zum Alltag: sie unterbrechen das Alltägliche und verleihen der jeweiligen Zeit etwas Besonderes an Stimmung und Glanz. In diesem Jahr wird diese Zeit auch davon geprägt sein, dass Glühwein und Weihnachtsmärkte fehlen werden. Und Menschen können sich nur unter Einschränkungen treffen. Die Angst vor der Infektion beherrscht das tägliche Leben, unsere Gewohnheiten, unsere Sicherheiten. So stellt sich für mich die Frage: Glaube ich mehr oder weniger oder gar nicht? Trägt mein Glaube mich auch in der Pandemie. Denn Angst macht blind und taub für den Gott, der auch noch in die schrecklichsten Situationen kommen will. Was machen wir mit der Zeit, die uns geschenkt wird, weil wir nicht dem Konsum der Weihnachtsmärkte verfallen können? Die Mahnung des Sonntags „seid wachsam“ kann uns auf die Spur bringen: Von wem oder was bin ich eigentlich abhängig besetzt? Habe ich den Mut zur Stille, zum Gespräch in der Familie? Der Advent hilft uns den Trott des Alltags zu durchbrechen. Nutzen wir die Zeit, die wir durch die Beschränkungen gewinnen, um zu uns selbst zu finden zwischen dem, woran wir uns erinnern, und dem was wir uns erhoffen – sinnvoll und damit einen guten Advent zu feiern.

Diakon Uwe Bähr, Bruder Klaus Jebenhausen