Sonntagsgedanken

Die Letzten werden ….

die ersten sein und manche von den Ersten Letzte. Dieses Gleichnis Jesu hören wir im Evangelium des morgigen Sonntags. Das Gleichnis wurde zum geflügelten Wort und es befriedigt an dieser Aussage keineswegs die schadenfrohe Missgunst derer, die ihr Lebtag lang zu den Letzten, den Kleinen gehören. Auch für das Himmelreich der Bibel wird diese Aussage gerne gewählt, denn in dieses kommt keiner von selbst. Es hilft nichts sich darauf zu berufen: Ich bin doch dabei gewesen. Ich bin getauft worden, zur Erstkommunion bin ich gegangen, Firmung bzw. Konfirmation war, kirchlich habe ich geheiratet und die Oma anständig beerdigt. Alles richtig, begründet jedoch keinen Anspruch auf einen Platz im Himmel. Das entlässt uns nicht aus der Pflicht, so zu leben, dass das, was ich im täglichen Leben tue und lasse, einigermaßen zusammen geht mit dem was ich als Christ bekenne. Reichen tut das eben nicht. Vieles davon können andere, die vom Reich Gottes nichts wissen wollen, von sich genauso und manchmal mit mehr Recht behaupten. Dass die Letzten die Ersten sein werden, wollen wir nicht glauben. Können wir nicht glauben. Vielleicht auch, weil wir – gefühlt berechnend oder mit Statussymbolen unterstrichen – natürlich die Ersten sind? Wir sind eingeladen die Welt aus der Sicht derer zu betrachten, für die solche Erfahrungen die Letzten zu sein der Alltag sind. Wie mögen sich Menschen fühlen, die sich immer auf den letzten Plätzen wiederfinden? Menschen, die gemobbt werden, die im Niedriglohnsektor ihr Auskommen finden müssen, die Alleinerziehenden, die sich keinen Urlaub leisten können. Mitmenschen, die von Altersarmut betroffen sind oder den Anschluss an die digitale Umwelt verlieren oder schon verloren haben.  Es sind demütigende Lebenserfahrungen, die viele in der einen oder anderen Weise selber schon gemacht haben. Es wird immer so sein: Es gibt Sieger und Verlierer. Doch wir können auch dagegen angehen, wenn wir die Welt aus der Sicht der Kleinen betrachten und ihnen Beachtung und Wertschätzung schenken. Das wäre doch ein Handlungsparameter für die kommende Woche.

Diakon Uwe Bähr, Bruder Klaus Jebenhausen.