„Suchet der Stadt Bestes“ – Jeremia 29,7

Eine ökumenische Stellungnahme der Evangelischen und Katholischen Kirche Geislingen

Besorgte Gemeindeglieder und aufmerksame Bürgerinnen und Bürger im Raum Geislingen machen in Leserbriefen und Gesprächen deutlich, dass die von der Geschäftsführung der Alb Fils Kliniken geplanten Veränderungen, die besonders die Helfenstein Klinik in Geislingen betreffen, großen Protest hervorrufen.

Das Zukunfts- und Standortkonzept der Alb Fils Kliniken hat für die Helfenstein Klinik massive Auswirkungen. Aus einem Krankenhaus soll ein „Gesundheitscampus“ werden mit Notfallversorgung, MVZ (medizinisches Versorgungszentrum), einer Kurzliegestation und Palliativeinheit. Eine solche Veränderung kann ein gut funktionierendes Krankenhaus mit hoher innerer und chirurgischer und intensivmedizinischer Kompetenz nicht ersetzen, auch wenn die Verantwortlichen dies mit dem Verweis auf die Klinik am Eichert zu kompensieren trachten.

In der Krise der Corona-Pandemie, die noch nicht vorbei ist, hat sich gezeigt, dass eine flächendeckende Versorgung mit Krankenhäusern, insbesondere auch mit kleineren Krankenhäusern (vgl. Statements des Bundesgesundheitsministers Jens Spahn), notwendig war und ist, um die Versorgung der Bevölkerung zu gewährleisten.

Die Geislinger Bevölkerung und die des oberen Kreisgebiets sind auf eine wohnortnahe medizinische Versorgung angewiesen. Besonders gilt dies für chronisch Kranke, die immer wieder eines Klinikaufenthaltes bedürfen, wie für ältere und alte Menschen, die vom Kontakt zu ihren Angehörigen abhängig sind. Die demographische Entwicklung zeigt, dass sich dies noch verstärken wird. Die Zunahme von Alters- und Pflegeheimen in Geislingen und umliegenden Ortschaften bestätigt dies. Eine gewachsene vertrauensvolle Zusammenarbeit der Mitarbeitenden der Helfenstein Klinik mit Heimen und niedergelassenen Ärzt*innen (die beteiligten Berufsgruppen kennen sich zum Teil persönlich) im Raum Geislingen sollte nicht aufs Spiel gesetzt werden.

Viele Mitbürger und Mitbürgerinnen schätzen die Helfenstein Klinik als Patienten und Patientinnen und als Angehörige: es ist die gute medizinische Versorgung wie auch die kompetente, persönliche und wertschätzende Pflege, die das Menschenmögliche für die Gesundheit, das Wohlbefinden und die Sicherheit der Patienten tun und auch Angehörigen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Es ist die Stärke eines kleinen Hauses, die individuellen und persönlichen Bedürfnisse und Anliegen von Patienten und Angehörigen berücksichtigen zu können, soweit sich dies mit der medizinischen und pflegerischen Behandlung in Einklang bringen lässt. Die Zufriedenheit von Patienten und Angehörigen zeigt sich in den positiven Umfrageergebnissen der Helfenstein Klinik. Zudem ist auch die teils jahrzehntelange Tätigkeit von Mitarbeitenden und ihre bewusste Entscheidung, in dieser Klinik zu arbeiten, ein positives Zeichen für die Bedeutung dieser Klinik.

Wir wissen, dass die Alb Fils Kliniken mit Verlusten wirtschaften und die bundespolitischen Entscheidungen (Mindestmengen, Pflegepersonalunter-grenzen etc.) gerade für die kleinen Häuser besonders schwer zu verkraften sind.

Dennoch ist aus der Perspektive der Krankenhaus Seelsorge gerade in einer älter werdenden Gesellschaft eine Wohnort und auch Kirchengemeinde nahe stationäre medizinische Versorgung ein wesentlicher Faktor der Genesung.

Die Arbeit zum Wohl und die Unterstützung von kranken Menschen kann nicht primär nur unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten betrachtet werden.

Viele haben bisher das Projekt eines Neubaus der Klinik am Eichert unterstützt aufgrund des Versprechens der verantwortlichen politischen Entscheidungsträger, dass die Helfenstein Klinik als funktionsfähiges Krankenhaus im Verbund mit der Klinik am Eichert erhalten bleibt.

Wir bitten, das Konzept nochmal gründlich zu überarbeiten um die jeweiligen Stärken und Profile der beiden Standorte stärker zu berücksichtigen. Regional ist der Standort Geislingen ja auch für die angrenzenden Kommunen des Alb-Donau-Kreises die erste Anlaufstelle.

Aus den genannten Gründen können wir uns mit den jetzt veröffentlichten Plänen nicht abfinden und bitten wir dringend, die Helfenstein-Klinik zu erhalten.

Ferner ist es wichtig, dass die weiteren Berufsgruppen z.B. Physiotherapie, Sozialarbeit, Seelsorge, Psychologie etc. bei der Erarbeitung eines Konzeptes beteiligt sind.

Ein Krankenhaus ist für die Infrastruktur einer Stadt und für deren Wirtschaftskraft von erheblicher Bedeutung, besonders auch als Arbeitgeber. Genauso wie gute Schulen und eine gute Verkehrsanbindung stellt ein Krankenhaus einen wichtigen Standortfaktor dar, der mit darüber entscheidet, ob sich Menschen, Familien und Industriebetriebe in dieser Stadt ansiedeln oder nicht.

 

Für die Evangelische und Katholische Klinikseelsorge Geislingen sowie
den Evangelischen Kirchenbezirk Geislingen und das Katholische Dekanat GP-Geislingen

Unterschriften:
Dekan Martin Elsässer, Evangelischer Kirchenbezirk Geislingen
Dekan Martin Ehrler, Katholisches Dekanat Göppingen-Geislingen
Volker Weiß, Krankenhauspfarrer
Margret Ehni, Seelsorge in der Palliativversorgung

Geislingen im September 2020

Stellungnahme als pdf

Bild: Südwestpresse